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Team Diskussion

Mut zu schlanken Projektstrukturen – bauen Sie auf Ihr Team

Eine der Stärken etablierter Unternehmen liegt darin, dass über die Jahre gesammelte Erfahrungen und Wissen in Prozesse gegossen wurden. Zudem klären konzernweite Richtlinien viele Sachverhalte, ohne dass es separater Entscheidungen bedarf. Dies sorgt für Effizienz und einheitliche Qualität in den Abläufen. Gerade diese vermeintliche Stärke wandelt sich jedoch häufig in einen Bremsklotz für Digitalisierungsprojekte.

Bei diesen Projekten liegt es in der Natur der Sache, dass der Zielzustand nicht vollständig vorab definiert werden kann. Dennoch werden auch heute noch viele Projekte nach klassischen Wasserfallmodellen gemanagt.

Das vermeintlich sichere Gefühl

Obwohl die klassische Wasserfallmethode in der Vergangenheit vielen Unternehmen keine guten Erfolgsquoten bei der Umsetzung von Projekten beschert hat, gibt sie den Beteiligten vermeintlich Struktur und ein sicheres Gefühl. Schließlich kann vorab ein Plan erstellt werden, der bis zum fertigen Projektergebnis alle Abläufe auflistet und den Projektmitarbeitern eine Richtschnur an die Hand gibt, was in der nächsten Zeit zu tun ist. Somit seien Termine vorhersehbar und im Idealfall auch das benötigte Budget transparent. Zumindest ist dies die Illusion, der man sich nur zu gerne hingibt.

Unterstützt wird das gute Gefühl durch umfangreiche Projektmethoden, welche über die Jahre weiterentwickelt wurden und häufig einen starren Rahmen für Projekte vorgeben. Da gibt es Prozessdefinitionen, Tools, Templates und vordefinierte Stage-Gates, welche das Tagesgeschäft im Projekt regeln sollen. Diese Projekte finden dann auch noch in einem Unternehmensumfeld statt, welches von Richtlinien geregelt wird, welche durch die jahrelangen Erfahrungen zu wahren Monstren an Komplexität geworden sind. Mit diesen festgezurrten Rahmenbedingungen versuchen viele etablierte Unternehmen, die inneren Fliehkräfte zu minimieren und dafür zu sorgen, dass alle Mitarbeiter sich konform zur Unternehmensausrichtung verhalten.

Und nun kommt ein Digitalisierungsprojekt

In kaum einem größeren Projekt lässt sich die gesamte Komplexität vorab durchschauen und mit der vom Management gewünschten Genauigkeit planen. Und dies gilt speziell auch für Digitalisierungsprojekte. Mit Hilfe agiler Ansätze wird heutzutage versucht, dem Rechnung zu tragen und Projekte iterativ zum Ziel zu führen. Dabei kann in jeder einzelnen Iteration auf dem in der vorherigen Iteration gewonnenen Wissen aufgebaut werden. Das Thema erschließt sich somit schrittweise und Schwierigkeiten werden deutlicher sichtbar, da innerhalb der kurzen Iterationen deutlich wird, ob sie gelöst sind, oder eben nicht.

Da jedoch aus den bereits genannten Gründen häufig noch nach klassischem Wasserfallmodell (ohne hybride Konstrukte) vorgegangen wird, ist es umso wichtiger, darin eine gewisse Flexibilität in den Abläufen zu wahren. Kein noch so genau definierter Prozess wird alle möglichen Szenarien abdecken, sodass Improvisation zwangsläufig notwendig wird. Wir erleben in solchen Situationen häufig den Ruf nach mehr Struktur und mehr Prozess, um das aus Sicht des Managements chaotischer werdende Projekt in den Griff zu bekommen.

Das Team entscheidet

Hier sollte jedoch mit Augenmaß vorgegangen werden. Unserer Erfahrung nach ist in einem solchen Umfeld etwas Anderes von entscheidender Bedeutung: Die persönliche Abstimmung von Projektmitarbeitern untereinander. Die persönliche (face to face) Zusammenarbeit von Teams und Teammitgliedern, welche durch ein Problem betroffen sind, ist DER Schlüssel zum Erfolg. Nicht umsonst schaffen moderne Unternehmen flexible Workspaces, die ein situatives Zusammenarbeiten von Mitarbeitern verschiedener Teams erlauben. Und je direkter die Kommunikation ist, desto besser. Vermeiden Sie, Probleme per Mail-Ping-Pong lösen zu wollen. Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter dazu, persönlich miteinander zu sprechen.

Wählen Sie bei örtlich verteilten Teams die bestmögliche Kommunikationsart, die zur Verfügung gestellt werden kann. Wenn beispielsweise eine Reise zu einem gemeinsamen Standort nicht möglich ist, so sollte einer Videokonferenz der Vorzug gegenüber einem reinen Telefonat oder dem Austausch per Mail gegeben werden.

Sie werden es erleben: Wenn die Mitarbeiter im Projekt gut miteinander kommunizieren, sind viele Probleme einfacher zu lösen. Damit sind jedoch nicht zahllose Meetings gemeint, sondern das situative Zusammenkommen, um definierte Probleme zu lösen. Dafür ist jedoch auch notwendig, dass den Mitarbeitern die entsprechende Verantwortung zugeteilt wird und das Vertrauen entgegengebracht, dass sie die Aufgabe lösen. Weiterhin sollte gefordert (und gefördert) werden, aktiv auf Kollegen zuzugehen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Mitarbeiter auf den definierten Prozess zurückziehen und Gründe finden, warum gerade jemand anderes verantwortlich für den nächsten Schritt ist…

Empfehlungen zur Projektmanagement-Methode

  1. Wenn Sie nicht gleich zu agilen Methoden wechseln wollen (oder können), prüfen Sie, welche Flexibilisierung die vorhandene Projektmethode erlaubt. Gehen Sie davon aus, dass Sie auch bei bestem Wissen nicht alles vorab planen können und planen Sie bewusst Checkpoints ein, an denen Sie bewusst die vorhandene Planung unvoreingenommen überprüfen und anpassen. Seien Sie dabei unbedingt ehrlich zu sich selbst. Verschiebung von Problemen in spätere Phasen bringt den Ärger zwar später, dafür hat man dann aber auch weniger Möglichkeiten, noch zu reagieren.
  2. Überprüfen Sie, was Sie aus Ihren Projektmethoden entfernen können. Fügen Sie nicht immer nur Regelungen hinzu. („Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann“, Antoine de Saint-Exupéry)
  3. Legen Sie den Fokus auf offene und direkte Kommunikation. Ihr Prozess wird nie alle Eventualitäten abdecken können. Aber gerade in unvorhergesehenen Situationen können Menschen durch direkten Austausch kreative Lösungen finden. Und wenn dies anfangs noch schwerfällt, kann ein Moderator oder Facilitator unterstützen.
IoT World 2017 - StartupCity

Aktuelle Themen im Internet of Things – IoT World 2017

Im Mai 2017 hatte ich die Gelegenheit, die IoT World 2017 im Santa Clara Convention Center zu besuchen. Diese Veranstaltung bot mit ihren mehr als 250 Ausstellern und Startups im Bereich IoT einen guten Überblick über den Stand der Dinge im Internet of Things. Ich bekam einen sehr guten Eindruck davon, welche Kernthemen sich aktuell herausbilden und welche interessanten neuen Ansätze von Startups es gibt.

 

Von Sensoren bis zu kompletten Lösungen

Die Bandbreite der Themen im Bereich IoT ist gewaltig. Es startet bei der reinen Technik, wie zum Beispiel hochspezialisierten Sensoren, geht über Plattformen für die Integration und Verarbeitung der von den „Dingen“ gelieferten Daten und endet mit vollständigen Lösungen, wie beispielsweise im Bereich „Smart Agriculture“, wo das komplette System aus Sensoren unterschiedlichster Art, Datenaufbereitung und Entscheidungsunterstützung bereitgestellt wird.

 

Sensoren

Auf der Hardwareseite werden dabei immer genauere Sensoren wie auch Sensoren kleinerer Bauart bereitgestellt. Diese ermöglichen neue Anwendungsszenarien, welche zuvor beispielsweise aufgrund von technischen Limitierungen oder aus Kostengründen noch nicht umgesetzt werden konnten. Ein anschauliches deutsches Beispiel für die Nutzung von günstigen Sensoren ist das Citizen Science Projekt luftdaten.info. Dort können Unterstützer nach Anleitung ein günstiges IoT Device mit einem Feinstaubsensor bauen und mit ihren gesammelten Daten zu einer deutschlandweiten Live-Karte der Feinstaubbelastung beitragen. Aber auch in Unternehmen können günstige Sensoren neue Möglichkeiten eröffnen. So ist beispielsweise eine genauere Überwachung von Maschinen mit Sensoren möglich, um mögliche Ausfälle vorab prognostizieren zu können. Dies bietet die Möglichkeit, Wartungen in definierten Zeitfenstern kostensparender durchzuführen, als wenn der Ausfall während einer Hochphase der Produktion auftritt.

 

Plattformen

Auch in Unternehmen ist die Zusammenführung von Sensordaten sowie weiterer Daten aus Produktion, Logistik und weiteren Einheiten der entscheidende Schlüssel zur Generierung von Werten. Erst die Erhebung und die Verknüpfung relevanter Daten aus den verschiedensten Systemen erlaubt die richtigen Entscheidungen zur erfolgreichen Steuerung des Unternehmens. Eine ganze Reihe von Anbietern auf der IoT World bot daher auch Plattformen zur Integration der IoT Daten mit den weiteren im Unternehmen vorhandenen Daten an.

Aus meiner Sicht dürften es die kleineren unter den vertretenen Anbietern schwer haben, die entsprechenden Schnittstellen im notwendigen Umfang zur Verfügung zu stellen. Ebenso wagen sich einige Hardwareanbieter auf dieses Terrain, liefern jedoch häufig nur sehr technisch orientierte Lösungen. Ein interessanter Anbieter könnte striim.com  sein, die einen End-to-End Ansatz bieten, welcher Informationen möglichst frühzeitig im Datenstrom verarbeitet. Generell ist jedoch aufgrund der individuellen Anforderungen eines jeden Unternehmens eine möglichst gut „passende“ Plattform zu wählen. Häufig werden dabei die etablierten großen Anbieter (z.B. SAP) die erste Wahl sein, um mit den vorhandenen Technologien gut zu integrieren.

 

Lösungen

Die großen Themen der Digitalisierung waren selbstverständlich auch auf der IoT World vertreten: Smart City, Smart Building, Smart Home, Smart Agriculture, Connected & Autonomous Vehicles sowie Artificial Intelligence als Querschnittsthema waren allgegenwärtig. Im Bereich Agriculture sind bereits komplexe Lösungen im Einsatz, welche computergesteuerte Landmaschinen, Sensoren auf dem Feld, Satelliten- und Drohnenbilder, Wetterdaten und Daten über Pflanzen und weitere Einsatzmittel in Beziehung setzen, um optimale Ernteergebnisse zu erhalten. Hier ist Industrie 4.0 mit der Benutzung von IoT schon weit fortgeschritten. In diesem Bereich durften wir auch BASF Crop Protection unterstützen, die eine Anwendung zur Integration und Auswertung der oben genannten Daten erstellte, um Landwirten sowohl im Anbau wie auch in der Vermarktung ihrer Produkte Optimierungsmöglichkeiten aufzeigt.

In vielen Bereichen spielt zudem die künstliche Intelligenz eine immer stärkere Rolle. So werden beispielsweise spezielle auf den automobilen Kontext trainierte Spracherkennungen entwickelt, welche die Interaktion mit Fahrzeugen für den Fahrer noch einfacher und reibungsloser machen sollen. Auch in der Erkennung von Mustern in Sensordaten werden vermehrt KIs eingesetzt.

 

Fazit

Das Thema IoT ist in Bewegung und es sind immer mehr konkretere Umsetzungen und klarere Visionen zu sehen. Für die deutschen Unternehmen heißt dies, dass umgehend die jeweiligen Möglichkeiten der neuen Technologien zu evaluieren sind. Neue Geschäftsmöglichkeiten tun sich auf und wer sie als erster besetzt, kann hohe Gewinne erzielen bzw. in bestehenden Märkten eine führende Rolle einnehmen. Wenn Sie Fragen zu den Möglichketen Ihres Unternehmens haben, nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

 

Digitalisierung

Drei Gründe, warum etablierte Unternehmen Schwierigkeiten mit der Digitalisierung haben

Sie sind erfolgreich in ihrem Geschäft, häufig sogar Marktführer. Doch dies ist keine Garantie für etablierte Unternehmen, auch in Zukunft eine Spitzenposition im Markt einzunehmen. Im Gegenteil: Viele der über Jahre eingeschleiften Mechanismen stehen einer erfolgreichen Digitalisierung eher entgegen.

 

1. Gefangen im Hamsterrad der Produktivität

Viele Unternehmen sind aktuell deshalb so erfolgreich, weil sie über Jahre hinweg ihre Produktivität kontinuierlich nach oben geschraubt haben. Häufig wird die Digitalisierung dann nur als weitere Möglichkeit zur Effizienzsteigerung gesehen. In diesem Sinn wird sie lediglich als weiter zunehmender Einsatz der IT zur Effizienzsteigerung genutzt.

Dies lässt jedoch die größten Potenziale ungenutzt. Die wahren Chancen der Digitalisierung liegen darin, Neues zu wagen. Alte Zöpfe abzuschneiden, interne Abläufe grundlegend zu hinterfragen und gänzlich neue Geschäftsmodelle zu realisieren bietet die Chance, auch künftig an Relevanz zu gewinnen und den bisherigen Erfolgen weitere hinzuzufügen. Ein Ausruhen auf dem Erreichten kann auf längere Sicht zum Problem werden, wenn die Konkurrenz mit hoher Geschwindigkeit am eigenen Unternehmen vorbeizieht.

2. Fehlender Mut zur Entscheidung

Ein elementarer Bestandteil der Digitalisierung ist die hohe Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Ideen. Heutzutage ist klar, dass nicht mehr zwingend die Großen die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen. Dementsprechend versuchen viele Unternehmen, ihre Umsetzungsprojekte zu beschleunigen. So werden beispielsweise agile Methoden angewandt oder im einfachsten Fall die Zeitvorgaben für laufende Initiativen gestrafft.

Was jedoch häufig unterlassen wird ist, die Geschwindigkeit der Entscheidungen an diese Abläufe anzupassen. So verlangen Manager oftmals in langwierigen Schleifen immer weitere Informationen, um absolute Sicherheit für Ihre Entscheidung zu erhalten. Diese hundertprozentige Sicherheit gibt es in der Regel nicht, wodurch sich die Entscheidungsprozesse lange hinziehen. Dies mündet dann in einer unklaren Richtung oder häufig auch fehlenden Ressourcen, was das eigentliche Ziel schwerer erreichbar macht.

Wir raten daher zu klaren Entscheidungen – auch unter Unsicherheit. Hier ist unternehmerisches Denken gefordert, wobei das Management auch kontrollierte Risiken eingehen muss.

3. Eine zu technisch orientierte IT

Bereits seit vielen Jahren wird proklamiert, dass die IT als Partner des Business auf Augenhöhe die Entwicklung des Unternehmens vorantreiben soll. Dabei fühlt sich die IT häufig vom Business unterschätzt und in ihrer Rolle nicht ernst genommen. Dagegen ist zu sagen, dass viele IT Abteilungen oder interne IT Dienstleister oftmals immer noch zu technisch denken. Projekte werden dann als Erfolg gesehen, wenn die technischen Komponenten wie vereinbart geliefert worden sind.

Was jedoch häufig fehlt, ist die geschäftliche Sicht der IT auf eine umfassende Lösung. Daher wenden sich viele Fachbereiche von ihrer IT ab und gehen direkt mit Anbietern von Cloud-Software ins Gespräch. Diese versprechen die gewünschte Leistung, ohne mit technischen Details zu verwirren. Auch dies ist sicherlich problematisch, wenn man den größeren Kontext der IT eines Unternehmens betrachtet. Doch um das Vertrauen des Fachbereichs zu gewinnen, müssen IT Abteilungen lernen, eine ganzheitliche Verantwortung für Problemlösungen zu übernehmen.

So sollte das Business aktiv durch Digitalisierungsprojekte geführt werden. Themen wie beispielsweise Stammdaten sind frühzeitig zu adressieren und erfahrene Kollegen sollten aktive Hilfestellung geben, anstatt sich nur auf Vereinbarungen in Lasten- oder Pflichtenheften zu berufen. (Ohnehin ist in Digitalisierungsprojekten aufgrund der Neuheit der Themen und der kontinuierlichen Lerneffekte während der Implementierung eine vollständige Vorabdefinition des Zielzustands nicht möglich.)

Moderne Technik ist der Schlüssel zur Digitalisierung, was die Unternehmen jedoch wirklich wollen, sind die dadurch geschaffenen neuen Möglichkeiten. Diese gilt es, zu verwirklichen.

Denkanstöße zur Digitalisierung